Home: Site / Tourismus-Erholung / Sehenswuerdigkeiten / Burg Gleichenstein

Burg Gleichenstein

Die Burg sowie die Falknerei sind zurzeit geschlossen!

Über die Entstehungsgeschichte des Gleichensteins ist nur sehr wenig bekannt. Aber die Geschichte der Grafen von Gleichen läßt darauf schließen, wann und zu welchem Zweck die Burg erbaut wurde.

Zu Beginn des 11. und 12. Jahrhunderts nannte sich das Geschlecht noch nach seinen Ahnherren, den Grafen von Tonna. Diese standen in der Gunst der Erzbischöfe von Mainz und erwarben durch Kauf und Belehnung ausgedehnte Besitztümer im Eichsfeld und in der Gegend um Erfurt.
Durch Klostergründungen in den Jahren 1130 in Volkenroda und 1162 in Reifenstein wurden ihre guten Beziehungen zu den Würdenträgern der Kirche gefestigt. Im Jahre 1162 kamen die Grafen von Tonna durch mainzische Belehnung in den Besitz der Burg Gleichen (bei Arnstadt) und nannten sich seitdem Grafen von Tonna-Gleichen. Als befestigter Wohnsitz der Grafen von Tonna-Gleichen auf dem Eichsfeld galt die Burg Velsecke (Felsenecke).

Wo diese Burg einst stand, läßt sich heute nicht mehr mit Sicherheit bestimmen. Man nimmt an, daß sie auf der selben Stelle erbaut wurde wie später der Burgsitz Gleichenstein. Im Jahr 1201 nennt sich Graf Ernst in einer Urkunde erstmals von Velsecke.

Da Graf Ernst anscheinend keine männlichen Nachkommen hervorbrachte, setzte er seinen Neffen Heinrich als Erbe ein, der sich zeitweise auch "von Velsecke" nannte. Heinrich geriet in Streit mit dem Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe, so daß er im Jahr 1234 vor ein Gericht geladen wurde. Diesem Gericht leistete er keine Folge, und so zog der Landgraf gegen ihn zu Felde. Nach kurzer Belagerung wurde am 18. Mai 1234 die Burg Velsecke vollständig zerstört.

Erstmalig im Jahre 1246 nennt sich Heinrich in einer Urkunde von Gleichenstein, woraus man schlußfolgern kann, daß Heinrich der Erbauer der Burg Gleichenstein ist. Die Erbauung des Burgsitzes muß vermutlich in den Jahren 1239 bis 1246 erfolgt sein.
Heinrich IV. von Gleichenstein kam im Jahr 1293 durch Erbschaft in den Besitz des größten Teiles der Grafschaft und aller eichsfeldischen Güter und übernahm dadurch auch eine hohe Schuldenlast, so daß er sich nur noch ein Jahr als Burgherr behaupten konnte.

Am 13. November 1294 erwarb der Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein den ganzen eichsfeldischen Besitz der Grafen von Gleichen, die Ämter Gleichenstein, Scharfenstein und Birkenstein für 1100 Mark fein Silber und 500 Mark Freiberger Silber nach Erfurter Gewicht. Der Landgraf Albrecht von Thüringen hatte schon 1287 seine Rechte auf den Erzbischof übertragen. Der Ritter Ludwig von Pöllnitz wurde noch 1294 vom Mainzer Kurfürsten zum Burgmann auf dem Gleichenstein ernannt.

Ab dem Jahr 1299 beginnt die Zeit der Amtleute auf dem Burgsitz. Unter bestimmten Bedingungen überließ der Landesherr den Amtleuten die Einkünfte in ihrem Amtsbereich.
Die einsetzende Reformation und die Unterdrückung der Bauern und des niederen Volkes, führten zum Großen Deutschen Bauernkrieg. Unter den Aufständischen waren auch viele aus der Gegend des Amtes Gleichenstein. Hans Gerecke aus Büttstedt führte einen Trupp ins Bauernlager des Vereinigten Thüringer Haufens nach Görmar und nahm selbst als Geschützmeister am Durchzug des Haufens über das Eichsfeld teil. Matthäus Hundeborn war zu jener Zeit Amtsvogt auf dem Gleichenstein. Er ließ die Besatzung der Burg verstärken, konnte aber nicht verhindern, daß die vor dem Gleichenstein weidende Viehherde von den Aufständischen abgetrieben wurde. Angegriffen oder belagert wurde der Gleichenstein aber anscheinend nicht.

Die Gerichtsbarkeit im Amt Gleichenstein unterstand immer dem jeweiligen Burgvogt.
Bereits die Grafen von Gleichen hielten dreimal jährlich ein Landgericht. Auch als odas Amt Gleichenstein in Kurmainzer Besitz kam, wurde dies beibehalten. Im Jahr 1309 wurde es nach Dingelstädt, die alte Gaugerichtsstätte, verlegt und bis 1534 dort abgehalten. Im diesem Jahr nahm der Mainzer Kurfürst eine Reform des Gerichtswesens auf dem Eichsfeld vor und führte im Jahr 1540 ein Oberlandesgericht in Heiligenstadt ein.

Die Untertanen im Amtsbezirk mußten zu den Hoch- und Halsgerichten erscheinen. Wegen seines ärgerlichen Lebenswandels wurde Abt Dildenus vom Kloster Gerode um die Jahreswende 1638/1639 auf kurfürstlichen Befehl auf der Burg Gleichenstein gefangengesetzt.

Der aufgrund seiner Lage schwer einzunehmende Burgsitz war im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 zeitweilig hart umkämpft worden. Mehrmals wurde der Gleichenstein in dieser Zeit belagert, erobert und zerstört, oft wechselte er den Besitzer. Am 13. Februar 1643 wurde zwischen den eichsfeldischen Ständen und dem schwedischen Feldmarschall Torstenson in Erfurt ein Vertrag abgeschlossen, der unter anderem die Schleifung des Gleichensteins vorsah. Der Mainzer Kurfürst zeigte sich aber mit der Zerstörung des Gleichensteins nicht einverstanden. Am 20. April 1643 wurde ohne kurfürstliche Genehmigung die Zerstörung der Burg vorgenommen. Der kaiserliche General von Holzapfel aber schickte im November 1647 eine Besatzung auf den Gleichenstein und ließ die Befestigungsanlagen wiederherstellen.Daraufhin rückte am 18. Dezember der schwedische Generalleutnant Douglas mit zweitausend Reitern, Fußvolk und einigen Batterien an und begann mit der Belagerung der Burg. Bereits am zweiten Tag wurde Douglas so verwundet, daß man von einer weiteren Belagerung des Gleichensteins absah.

Im letzten Kriegsjahr rückte, auf Wrangeis Befehl, der Oberst Sigismund Prisinsky an und schloß die Festung ein. Am Ende des Krieges bildete der Gleichenstein einen Ort der Verwüstung. Bereits im Jahr 1650 begann man mit der Wiedererrichtung der Burg. Unter dem Amtsvogt Franz Wilhelm Hentrich wurde 1739 der Gleichensteiner Amtssitz nach Dingelstädt verlegt.

Im Jahr 1786 pachteten vier Wachstedter Bürger das Kammergut Gleichenstein. Mit der Inbesitznahme des Eichsfel-des durch Preußen wurde der Amtsbereich Gleichenstein aufgelöst und größtenteils dem Kreis Mühlhausen angegliedert. Im Jahr 1810 wurden Edmund und Karl Dietrich Pächter des Gleichensteins. An den örtlichen Unruhen im Jahr 1848 in Wachstedt und Martinfeld beteiligte sich auch der Pächter des Gleichensteins Karl Dietrich. Daraufhin wurde er durch preußisches Militär verhaftet und mußte achtzehn Monate Festungshaft verbüßen. Bei seiner Rückkehr auf den Gleichenstein fand er das Gut in einem argen Zustand und entschloß sich deshalb 1853 zur Auswanderung nach Amerika.
Sehr oft wechselte der Gleichenstein nach den Dietrichs seinen Besitzer bzw. Pächter. Bei dem rauhen Klima und den schlechten Bodenverhältnissen erwies sich das Gut für die landwirtschaftliche Nutzung als unrentabel.

Im Oktober 1911 plante der Wachstedter Pfarrer Teichmann den Ankauf des Schloßgutes Gleichenstein für die Gemeinde Wachstedt mit finanzieller Unterstützung der preußischen Regierung. Der Kaufpreis sollte 124.000 Reichsmark betragen. Dieses Vorhaben zerschlug sich, als Staat und Provinz die finanzielle Unterstützung ablehnen. In den Jahren 1912/1913 schreitet der Besitzer von Streiber zur Aufteilung des Gleichensteiner Besitzes. Martinfelder Bauern erwerben den Besitz unterhalb des Gleichensteins.

Die Ländereien im Talkessel um die WallfahrtskircheKlüschen Hagis kauft Pfarrer Teichmann für die katholische Kirche. Von Wachstedter Bauern werden die Ländereien erworben, die rechts der Straße von Wachstedt in Richtung Heuthen liegen. Pfarrer Teichmann kaufte die restlichen 61 Morgen und ließ sie teilweise aufforsten. Dieses kleine Waldstück liegt nordöstlich von Wachstedt in Richtung Kefferhausen und wird "Teichmanns Tannen" genannt.

Im Jahr 1928 erwarb der Baurat Lehmann den Gleichenstein, worauf sich eine rege Bautätigkeit entwickelte. Am 22. Dezember 1932 brannte die weithin sichtbare Scheune über dem "Blauen Wunder" ab. 1937 veräußerte der Baurat den Burgsitz Gleichenstein an Dr. Wolfgang von Schutzbar. Dieser verließ 1946 den Gleichenstein und begab sich in die amerikanische Besatzungszone.
Die Gebäude wurden zunächst Besitz der Gemeinde Wachstedt. Monatelang war der Gleichenstein verlassen und vieles wurde in dieser Zeit zerstört.

Nach verschiedenen Nutzungen wurde der Gleichenstein als Ferienheim des Trabant-Werkes Zwickau ausgebaut. In den letzten Jahren wurde in den Anlagen der Burg eine Falknerei eingerichtet. Man sollte vor allem die schöne Aussicht vom "Blauen Wunder" auf das Rosoppetal, die "Bucklige Welt" und die Kaltenebersche Höhe genießen und bei der Besichtigung der Gebäude an die wechselvolle Geschichte der Burg Gleichenstein zurückdenken.