Kloster Anrode
Unweit des Dorfes Büttstedt liegt in einem landschaftlich reizvollem Tal der Luhne und der Gieße, vor den Waldungen der Hollau, das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Anrode. Heinrich Kämmerer aus Mühlhausen gründete es um das Jahr 1260 und besetzte es mit Klosterfrauen aus dem ehemaligen Kloster Breitenbich, die in Mühlhausen eine Zuflucht gefunden hatten.
Im Jahr 1268 erfolgte die Bestätigung durch den Erzbischof von Mainz. Im Jahr 1274 erteilte auch der Landgraf von Thüringen seine Genehmigung und schenkte dem Kloster einige Güter. Zahlreiche Familien des Adels, so auch die Grafen von Gleichen, waren es, die beim Eintritt ihrer Töchter in den Orden Grund und Boden als Mitgift oder Erbteil stifteten.
Die Äbtissin und der Propst versuchten durch Tausch und Kauf den Besitz abzurunden und zu vermehren. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts besaß Anrode etwa 7500 Morgen Land, 22 Höfe, zwei Mühlen, vier Wäldchen, den Berg Streithagen, den Ort Bebendorf und über Bickenriede die niedere Gerichtsbarkeit. Der weit verstreut liegende Grundbesitz konnte von Anrode aus nicht mehr verwaltet werden, noch dazu als mit Beginn der feudalen Krise die Kleinkriege zunahmen.
Zahlreiche junge Frauen vornehmlich des Adels strömten in die Klöster, so dass Tochtergründungen vorgenommen werden mußten. Um 1285 gründete man zusammen mit dem Kloster Beuren die Niederlassung Marksußra bei Ebeleben und 1311 das Kloster in Worbis. Nach 1350 traten finanzielle Schwierigkeiten auf, die durch Umwandlung der Natural- in Geldabgaben und durch die Annahme der Mitgift der Novizinnen in Geldform gemeistert werden sollten. Trotzdem musste der Mainzer Landesherr, dem das Kloster Anrode unterstand, helfend eingreifen, um dem Kloster aus seiner wirtschaftlichen Krise herauszuhelfen. Man übertrug dem Kloster, nach Zustimmung des Papstes Innozenz VI., die Pfarrkirche zu Geismar und die Wallfahrtskapelle auf dem Hülfensberg, damit die Zisterzienserinnen Anteil an den Wallfahrtsopfern bekämen. Trotzdem gelang es dem Kloster auch in den folgenden Jahrzehnten nicht, aus seiner finanziellen Misere herauszukommen.
Die Äbtissinnen und Pröpste, die meist dem Adel entstammten, wurden ihren Aufgaben nicht gerecht. Die bischöfliche Visitation im Jahr 1476 und das Androhen von Kirchenstrafen im Jahr 1510 bedeuten ein Absinken der Disziplin und der inneren Moral.
Die verschärfte Ausbeutung der abhängigen Bauern führte am 28. April 1525 zum Sturm der Untertanen auf das Kloster. Die Klostergebäude wurden zerstört und zwei Glocken nach Mühlhausen gebracht. Nach dem Sieg des Fürstenheeres in der Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 kehrten die Klosterfrauen zurück. Ausbleibender Nachwuchs, die Veruntreuung durch weltliche Klosterverwalter und die Hinwendung der Äbtissin Anna von Hanstein zum Protestantismus erschwerten den Wiederaufbau. Die vom Mainzer Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg eingeleitete Gegenreformation kam der drohenden Selbstauflösung des Klosters zuvor.
Nach einer Visitation wurde der Verwalter entlassen und im Jahr 1577 David Böddener zum Laienpropst ernannt. In den nächsten dreißig Jahren richtete er die Klostergebäude wieder auf, führte Prozesse um verlorengegangene Rechte, legte ein Kopialbuch der Akten des Klosters an, ließ die Ländereien des Klosters vermessen und Abgaben und Zinsen neu festlegen. Bald lebte auch die Wallfahrt zum Hülfensberg wieder auf, deren Einkünfte dem Kloster zugute kamen.
Im Dreißigjährigen Krieg wird das Kloster erneut ausgeplündert und gebrandschatzt. Erst im Jahr 1670 konnte mit dem Neuaufbau des Klosters begonnen werden. Bis 1693 wurden die Wirtschaftsgebäude, die Propstei und die Kirche erneuert. Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 brachte dem Kloster erneute Unkosten. Bis zur Inbesitznahme des Eichsfeldes durch Preußen galt das Kloster als Vorbild hinsichtlich seines religiösen Standes. Mit der Auflösung der geistlichen Gebiete wurden Anrode hohe Steuern auferlegt und Eingriffe in die innere Struktur des Klosters vorgenommen.
Die Aufhebung des Klosters Anrode erfolgte aber erst am 5. Juni 1810 durch König Jerome von Westphalen, der im Jahr 1806 in den Besitz des Eichsfeldes gekommen war. Der Oberamtmann Franz Just von Wedemeyer erwarb das Gut im Jahr 1811.
Der Barockaltar der Klosterkirche aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts kam an die Kirche in Wiesenfeld. In der Kirche von Siemerode sind Teile der bemalten Holzdecke aus der Klosterkirche zu sehen.
Über einhundert Jahre später übernahm der Landkreis Mühlhausen das Gut Anrode und richtete in den Jahren 1928/29 hier eine Flachsröste ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Flachsröste ausgebaut, später die Gebäude durch einen Sport- und Seilerwarenhersteller genutzt und an einigen unter Denkmalschutz gestellten Gebäuden Erhaltungsarbeiten durchgeführt.




