Der Wallfahrtsort Klüschen Hagis
Zu Füßen der Burg Gleichenstein, in einem stillen Waldtal des Westerwaldes, zwischen den Orren Wachsredt und Martinfeld, entstand zwischen 1100 und 1300 das Dorf Neuenhagen.
Der Ort wurde im späten Mittelalter wüst, als die wenigen Einwohner das Dorf verließen, um in die umliegenden Ortschaften zu ziehen. So wurde Neuenhagen zu einem Wallfahrtsort mit seiner einsam im Wald gelegenen Kapelle, während an das einstige Dorf nur noch der Name Hagen erinnert.
Neben dieser Kapelle erhob sich in den Jahren 1573 bis 1620 eine Eremitenklause, das heißt, dass hier ein Einsiedler Wohnung nahm.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Klüschen Hagis geplündert und verwüstet. Doch bald nach dem Krieg blühten das kirchliche Leben und die Wallfahrten wieder auf. Die Eremitenklause ging in den Wirren des Krieges unter, aber im Volksmund lebte der Ort als Klus Hagis weiter. Über einhundert Jahre später, in den Jahren 1751 bis 1771, wurde die Kirche grundlegend erneuert. In dieser Zeit erhielt sie ihre heutige Form. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden Barockbeichtstühle.
Im Jahr 1820 starb der letzte Pfarrer vom Klüschen Hagis, Karl Diegmann.
Die letzten Gläubigen am Ort schlössen sich der Pfarrei Wachstedt an, seitdem wird die Wallfahrtskirche von Wachstedt aus betreut.
Das Klüschen Hagis bietet viele Sehenswürdigkeiten. Aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg stammt das über dem Südportal der Kapelle außen angebrachte steinerne Reliefbild, welches das jüngste Gericht darstellt. Das gotische Gnadenbild aus dem 14./15. Jahrhundert fand in der Altarnische im Chor der Kirche seinen besonderen Platz. Ein zweites Gnadenbild aus dem späten Mittelalter stammt aus einer kleinen Kapelle, die früher außen am alten Pfarrhaus angebracht war.
Weiterhin besitzt die Kirche noch eine Marienfigur an der rechten Seite, eine sogenannte liebliche Madonna, die der Spätgotik entstammt. Beim Betreten der Kirche fällt der Blick sogleich auf eine wertvolle Anna-Selb-dritt-Figur.




