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Reifenstein

Im Jahr 1162 wurde in dem Ort Albolderode vom Grafen Ernst von Tonna-Gleichen ein Kloster gegründet und mit Mönchen aus dem im Jahr 1130 gegründeten Zisterzienserkloster Volkenroda besetzt.
Der Zisterzienserorden wurde im Jahr 1098 gegründet. Er verlangte von seinen Ordensmitgliedern die strenge Einhaltung des Armutsideals und regelmäßige Handarbeit.

In den nächsten Jahrzehnten konnte die Abtei ihren Besitz durch Kauf und Schenkung vermehren und abrunden, so dass sie Grund und Boden in fast neunzig Ortschaften besaß, die Orte Kallmerode, Hausen und Kleinbartloff als Klosterdörfer, den größten Teil von Beberstedt und Hüpstedt und das Dorf Kirrode (seit 1300 Wüstung). Größere Besitzungen hatte das Kloster noch in Ammern, Horsmar und auch in Dingelstädt.

Durch Kriege und innere Widersprüche in den folgenden Jahrhunderten, die der Niederlassung schweren Schaden zufügten, verlief die Entwicklung des Klosters keineswegs ruhig. Auch das Leben der Mönche war nicht immer Vorbild für klösterliches Leben und für die Bauern ihrer Besitzungen. Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg richtet sich der Zisterzienserorden gegen die Reformation.

Der Mönch Heinrich Pfeiffer scheint sich aber mit reformerischen Schriften beschäftigt zu haben, denn im Jahr 1521 floh er aus dem Kloster Reifenstein auf den nahen Scharfenstein. Hier soll er unter der Burglinde zu den Bewohnern der umliegenden Ortschaften auf lutherisch gepredigt haben. Er musste deshalb die Burg verlassen und begab sich nach Mühlhausen, um hier den Boden für Thomas Müntzer vorzubereiten.

Am 29. April 1525 wurde das Kloster von Bewohnern der umliegenden Orte gestürmt, die Inneneinrichtung der Kirche zerschlagen und die Glocken herabgeholt.
Der Abt Matthias hatte noch rechtzeitig die Kleinodien, Briefe und Siegel in die St.-Martins-Kirche nach Heiligenstadt gebracht, bevor er auf den Rusteberg floh.

Beim Durchzug des Vereinigten Thüringer und Mühlhäuser Haufens am l. Mai 1525 wurde das Kloster Reifenstein sowie Kloster Beuren und die Burg Scharfenstein zerstört. Die Klostergebäude wurden angezündet und brannten restlos nieder. Der genannte Schaden belief sich auf 5998 Gulden und 22 Schneeberger. Zweitausend Gulden wurden allein für die zerstörte Bibliothek veranschlagt.
Nur sehr langsam erholte sich das Kloster von diesen Verwüstungen. Restlos wiederaufgebaut wurde es erst im Jahr 1585 durch den Abt Philipp Busse.

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurde das Kloster ausgeplündert und erneut zerstört. Erst im Jahr 1650 konnten die Mönche an einen Neuaufbau der Klostergebäude denken. Mit der Wahl von Wilhelm Streit, einem gebürtigen Dingelstädter, zum Abt des Klosters im Jahr 1690, wurde der innere und äußere Wiederaufbau des Klosters vorangetrieben.
Der Abt ließ den größten Teil der zerstörten Klostergebäude wiederaufbauen, konnte die Schuldenlast verringern und die Klostergüter vermehren. Zu seiner Erinnerung ist an der südlichen Außenwand der ehemaligen Sakristei, am Nebeneingang des heutigen Kreiskrankenhauses, eine Gedenkinschrift angebracht.

Am 12. Dezember 1729 kauft der Abt Martin Günther, der aus Büttstedt stammte, "die Villa Beienrode in Eichsfeldia" von Christine Regine von Sothen, unter Zustimmung ihres Gatten Christian von Sothen, mit sämtlichem Zubehör an Weiden, Äckern, einer Mühle, Wald und einer Ziegelei für 7500 Taler, nachdem der Erzbischof Franz Ludwig von Mainz den Kauf am 6. Dezember 1729 genehmigt hatte. Der Abt Simon Hentrich ließ von 1737-1743 die prächtige Barockkirche mit dem bemerkenswerten Portal erbauen, das noch heute von einstiger Schönheit ahnen lässt.
Das Barockportal mit der großartigen Umrahmung nimmt fast die ganze Breite der Fassade ein. Die Mittelfigur stellte die Gottesmutter Maria dar, die Patronin aller Zisterzienserkirchen. In den Nischen standen St. Joseph, St. Simon, St. Benedikt und St. Bernhard. Im Jahr 1846 kamen diese vier großen steinernen Portalfiguren nach Nordhausen in den dortigen Dom, wo sie am Triumphbogen über der Chortreppe angebracht wurden.

Bis 1800 wurde die Anlage fertiggestellt, wie sie Wilhelm Streit einst geplant hatte. Durch preußische Kabinettsorder vom 20. Januar 1803 wurde das Kloster aufgehoben. Das Inventar der Kirche, das erst nach 1743 angefertigt wurde, kam nach der Auflösung der Niederlassung meist an ärmere Eichsfelder Kirchen.

In der Zwischenzeit wurde 1847 eine Ackerbauschule für die Landkreise Heiligenstadt, Worbis und Mühlhausen hier eingerichtet. Im Frühjahr 1900 wurde im Ostflügel eine bäuerliche Frauenschule eingerichtet und Haushaltspflegerinnen und Lehrerinnen ausgebildet. Erst im Jahr 1949 wurde sie aufgelöst.

Von 1951 bis 1962 wurde hier eine Abteilung der Universitätsklinik Jena für Tuberkulosekranke untergebracht. Seit 1964 bis in die heutigen Tage besteht im ehemaligen Kloster ein Krankenhaus.